Textredaktion

Schreibe jeden Satz so, dass man neugierig auf den nächsten wird. William Faulkner

Kann man mit dem Schreiben von Texten Geld verdienen? Nicht als Schriftsteller, Journalist, Poet oder Werber, sondern als jemand, der Texte für andere schreibt? Für die, die sich schwer damit tun? Für die, deren Stärken woanders liegen, die aber gute Texte brauchen, damit sie diese Stärken ins richtige Licht stellen können? Als Texterin für Webseiten also, für Broschüren, Flyer, Online-Shops oder wofür auch immer jemand gerade einen Text braucht?

Natürlich kann das jeder auch selber machen. Oder er bezahlt eben jemanden dafür. Und ja, oft ist es besser, man lässt das machen. Von mir zum Beispiel. Denn es ist doch ganz schön schwer, gute Texte zu schreiben. Außerdem lässt sich so reichlich Zeit sparen, die man an anderer Stelle weitaus produktiver einsetzen kann.

Ein Problem mit Texten ist, dass sie schnell lang und länger geraten. Sie haben mitunter die Tendenz, schwer und wuchtig zu werden wie der Watzmann, groß und mächtig, schicksalsträchtig. Sie bestehen, gerade bei uns Deutschen, oft aus Schachtelsätzen, lang und gewunden wie Vater Rhein, voll von Untiefen, in denen sie sich in unzähligen Einschüben verlieren. Und sie enthalten Wort-Ungetüme, die wie Trutzburgen wirken. Alles typisch Deutsche in einem oft sehr, s e h r, s e h r langen Satz. Wissenschaftliche Prosa vor allem wiegt gerne schwer. Als sei die Wissenschaftlichkeit eines Textes abhängig von der Kompliziertheit und der Länge seiner Worte oder Satzgefüge. Behördendeutsch schließlich scheint dazu geschrieben, den Bittsteller von vornherein abzuschrecken. Wortmonster und Schachtelsätze als Wächter des Amtes. Schwere Sprache eben.

Dabei geht es doch auch anders: leicht, beschwingt, kurz und kurzweilig zugleich. Sätze, die man gerne liest, über die man auch mal schmunzeln kann, die mit Augenzwinkern geschrieben sind und sich selbst nicht so bitter ernst nehmen. Die hüpfen und springen und plätschern wie ein Gebirgsbach.

Texte und vor allem die Ideen dahinter sind empfindliche Geschöpfe, fragile Wesen. Sie wollen gehegt und gepflegt werden, behutsam herausgekitzelt aus der Menge an Gedanken, die man sich als Texter zu einem bestimmten Thema macht. Schließlich sollen sie genau passen – zu ihrer Idee, ihrer Funktion, ihrer Thematik und nicht zuletzt zum Auftraggeber selbst.

Die Angst des Texters vor dem Cursor

Jeder, der schon einmal Texte geschrieben hat, weiß, wie schwer es ist, den Anfang zu finden, dann den nächsten Satz und den danach. Der Cursor blinkt, der Texter starrt vor sich hin, ringt um Worte und fischt nach Inhalt. Thema, Struktur, Zielgruppe warten auf Definition und Ausdruck. Früher kaute man da gerne am Stift herum. Die Maus ist dafür allerdings weniger geeignet. Irgendwann hört die Muse dann endlich auf, sich zu zieren und rückt die Worte und Sätze heraus, nach denen man so lange gesucht hat.

Profis haben die gleichen Probleme, klar. Aber – sie haben auch die richtigen Strategien, das richtige Handwerkszeug. Sie wissen, wie man die Angst vor dem Cursor überwindet. Mit ausgiebiger Recherche, einer Ideensammlung, in der die Geistesblitze gehortet werden, witzige Formulierungen und Textbausteine, die man irgendwann, irgendwie in einen Text einbauen kann. Es braucht ausreichend Vorstellungskraft, um gute Texte zu schreiben, die genau zur Materie passen. Sachlich, nüchtern und informativ, wenn es um Fachtexte geht. Leicht und spritzig bei einem Sujet wie Mode und mit viel Feingefühl bei sensiblen Themen. Jedenfalls immer so, dass der Text den Leser nicht nur einfängt, sondern auch bei der Stange hält.