Ich hab einen Rechtschreibfehler gefunden – darf ich ihn behalten?

Rechtschreibung für ein besseres ImageWill ich den wirklich? Kommt auf die Betrachtung an. Manch einer findet es spießig und oberlehrerhaft, Texte penibel nach Schreib- oder Grammatikfehlern zu durchforsten. Als Lektorin bin ich über jeden Fehler froh, den ich finde. Schließlich bringt er mir bares Geld, weil er zeigt, dass es einen triftigen Grund für meine Serviceleistung gibt. Ich habe das schon als Kind gern gemacht. Was hauptsächlich daran lag, dass ich für jeden gefundenen Fehler von meinem Vater 50 Pfennige bekam. Möglicherweise ist diese spätkindliche Prägung schuld daran, dass ich heute mein Geld mit Korrekturlesen verdiene. Der Preis hat sich allerdings verändert.

Ist es denn wirklich so wichtig, dass jedes Wort richtig geschrieben ist und jedes Satzzeichen an der richtigen Stelle steht – oder eben nicht? Der Inhalt ist doch schließlich, was zählt und die Begeisterung, die ein Autor für sein Thema zeigt. Man kann den Text ja trotzdem verstehen. Und darauf kommt es doch schließlich an! Auf die inneren Werte, sozusagen. Aber die äußeren Werte verkaufen die inneren nun mal besser. In jeder Lebenslage, auch beim Schreiben.

Erfolgsfaktor korrekte Rechtschreibung

Ein korrekt geschriebener Text mit makelloser Zeichensetzung zeigt gute Manieren. Und der erste Eindruck zählt immer, innere Werte hin oder her. Stefan Gottschling vom Texterclub sieht in korrekter „Orthografie so etwas wie die ‚Benimmregel‘ Nr. 1 in der schriftlichen Kommunikation“. Und aus der schriftlichen Kommunikation besteht nun mal der größte Teil unseres täglichen Geschäfts. Jeder Rechtschreibfehler und jedes falsch gesetzte oder fehlende Satzzeichen erschwert das Verständnis oder führt zu Missverständnissen. Vergessen Sie nicht, dass jeder Text, ob Brief, E-Mail, Flyer, Webseite, Blog oder Rechnung zum Werbematerial eines Unternehmens gehört. Ein kreativer Slogan, tolle Bilder und ansprechende Grafiken sind nur halb so viel wert, wenn in der Headline ein Buchstabe fehlt. Letztendlich hat korrektes Schreiben auch etwas mit Respekt zu tun. Respekt den Menschen gegenüber, die sich die Mühe machen, Ihre Texte zu lesen. Denn es zeigt ihnen, dass Sie sich wiederum Mühe gegeben haben, diese Sätze zu schreiben, Zeit darauf verwendet haben und Sorgfalt.

Es gibt viele Texte zu diesem Thema im Netz. Am besten gefällt mir der von Harald Martenstein im zeitmagazin http://www.zeit.de/2012/22/Martenstein. Ich unterstütze die Rettung bedrohter Arten, sibirische Tiger und deutsche Rechtschreibung inbegriffen.